Die Söhne

Prachtkerle, die beiden. Herrliche Menschen! Ich entdecke die Beziehung zu ihnen. Oder besser, ich entdecke den Raum und die Möglichkeit, die Beziehung zu ihnen zu gestalten. Ich habe es in der Hand!

Das fühlt sich gut an. Vor allem deshalb, weil ich es früher nicht konnte. Früher war, als wir noch eine „richtige“ Familie waren. Dann habe ich aber bemerkt, dass ich Schaden nehme. Neun Jahre lang habe ich es bemerkt, aber verdrängt. Bis ich festgestellt habe, dass ich mehr Schaden nehme, als ich aushalten kann. Oder mehr Energie verliere, als reinkommt. Wie auch immer.

Ich will gleich noch abkürzen, beziehungsweise ausholen. Die Frage ist: Warum habe ich Schaden genommen und warum habe ich dagegen nichts tun können?

Im letzten Jahr habe ich unglaublich viele Dinge gelernt. Vor allem über mich. Ich bin so dankbar dafür, diese Dinge kennengelernt zu haben. Mir ist klar geworden, dass ich es zu der Zeit, als die Familie „einhäusig“ existierte, so gut gemacht habe, wie ich konnte. Ich habe es im Prinzip immer so gut gemacht, wie ich konnte. Ich habe immer versucht, es so gut, wie möglich zu machen. Es so gut wie möglich zu machen, dass es anderen (in diesem Falle meiner Partnerin) so gut wie möglich geht. Oder zumindest, dass es so wenig Ärger wie möglich gab, oder Spannungen, oder emotionale Erpressung, oder Kälte, Schuldzuweisungen, Distanz, Abweisung, Scheiß-Stimmung. Klingt komisch, ist aber so. Und ich glaube, es ist ganz oft so. Ich habe gelernt, dass es Liebe gegen Bedingungen gibt. Natürlich habe ich das nicht von meiner Partnerin gelernt. Da war es schon in Fleisch und Blut übergegangen und hat all mein Handeln bestimmt. Schon viel früher…

Jedenfalls habe ich es so gut gemacht, wie es mir möglich war…und habe dabei ganz vergessen, für mich zu sorgen. Wie ist es denn für mich gut? Wie fühlt es sich denn für mich richtig an? Wie viel ist denn eigentlich gut für mich?

Wie ich jetzt lerne, war mir die Beantwortung dieser Fragen zu der Zeit gar nicht möglich (und auch jetzt fällt es mir noch schwer), da ich es gar nicht sehen konnte. Was für mich gut war. Oder was nicht. Und ich habe neun Jahre nicht gesehen, dass es schon lange nicht mehr gut war. Aber ich habe weiter gemacht, es weiter gut gemacht, recht gemacht, so gut wie möglich gemacht, besser gemacht.

Jetzt frage ich mich manchmal, wie ich es so lange nicht bemerken konnte. Aber das ist glaube ich gar nicht so. Ich habe es bemerkt. Aber ich habe es verdrängt und vergessen. Oder ich habe mich belogen.

Da blitzt schon die nächste Frage auf: Warum habe ich mich belogen? Warum konnte ich die Wahrheit nicht sehen? Weil ich Angst hatte. Angst vor dem, was dann kommt. Angst davor, die Verantwortung (endlich) zu übernehmen. Angst vor Veränderung. Einfach Angst.

Angst davor, Verlassen zu sein.

Ich habe verlassen, aber ich hatte Angst, verlassen zu werden. Paradox. Auch nach der Trennung habe ich oft große Verlassensangst gespürt.

Nächstes Thema, das unbedingt dazugehört: Grenzen. Die eigenen Grenzen erfahren, die eigenen Grenzen setzen und auch dazu stehen. Das scheint eine riesige Aufgabe zu sein, wie ich jetzt lerne. Es wird wahrscheinlich ein lebenslanges Lernfeld bleiben.
Die erste Grenze, die ich in meinem Leben gesetzt habe und zu der ich auch gestanden habe war, „Nein“ zu meiner Partnerin und Mutter meiner Kinder zu sagen. Aber ich denke, das wird ein anderer Beitrag…

Was hat das mit meinen Söhnen zu tun?

Sie waren mein Wegweiser! Ich habe sie kennengelernt, als ich die Entscheidung zur Trennung innerlich getroffen habe. Oder: Als ich die Unausweichlichkeit der Entscheidung erkannte. Da habe ich sie kennengelernt, wie frei sie sein können. Wie frei wir zusammen sein können. Wie viel lachen wir können und wie tief unsere Beziehung sein kann. Das habe ich kennengelernt – und ich wusste, es war nur der Ausblick auf noch mehr – als ich die Entscheidung noch nicht einmal ausgesprochen habe!

Ich habe kennengelernt, dass ich keine Angst haben muss!

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