Verantwortung

Ver-Antwort-ung. Schönes Wort.

Als ich darauf gedrängt habe, dass wir (innerhalb der Beziehung) eine Paarberatung machen sollten, war mir das ein wichtiges Anliegen: Die Verantwortungen klären. Ich glaube, sie hat es bis heute nicht verstanden, was ich damit eigentlich meinte. Das merke ich daran, dass sie davon spricht, „sie übernehme hier 120% Verantwortung“ – da sie sich scheinbar als alleinerziehende Mutter fühlt und alles an sich reißt; ja sogar alles dafür tut, mich aus der Familie rauszuhaben. Sie hat mich im Leben meiner Tochter ausradiert!

Was tut sie aber? Sie gibt mir die Schuld am derzeitigen Zustand: Ihr geht es schlecht, da ich sie verlassen habe, sie hat es schwer, sie kommt nicht klar mit diesem und jenem, usw. Die Verantwortung (für sich) übernehmen hieße meiner Meinung nach aber: Mir geht es schlecht, ich kümmere mich darum. Du hast es ausgelöst, hier und jetzt, mit dieser Trennung, aber die Verletzung ist in mir und ich finde heraus und beschäftige mich damit, warum es das mit mir macht. Warum komme ich nicht klar? Brauche ich jemanden, der die Verantwortung über mein Leben übernimmt? War es bisher so? Habe ich es nicht anders gelernt? Vielleicht. Dann bin ich dankbar für die Erkenntnis und werde mich darum kümmern.

Verantwortung übernimmt man, Schuld weist man zu.

Das ist der Unterschied! Verantwortung ist aktiv, Schuld (zuweisen) passiv. Man ist mit Schuld beladen, hat es schwer.

„Verantwortung übernehmen“ hat sich für mich selbst als eine sehr grosse Herausforderung angefühlt. Und das fühlt es sich immer noch. Ich habe regelrecht Angst bekommen beim Gedanken daran, etwas selbst entscheiden zu müssen, allein regeln, meine Anliegen auf den Tisch legen, dahinter stehen, rauszugehen damit. Ich lerne also, auch ich habe Schwierigkeiten damit, Verantwortung zu übernehmen und verlagere das gerne auch woanders hin. Natürlich gern zu ihr: Sie versteckt unsere Tochter, sie fühlt sich als alleinerziehende Mutter und hält mich mit ihrer Macht in einer Versorgerrolle. Stattdessen möchte ich für die Kinder sorgen! Als Vater und nicht als Besuch da sein!

An der Stelle ist es immer noch nicht einfach, das für mich zu klären. Ich fühle mich doch noch als Opfer (ihrer Handlungen). Ich bemerke aber, dass immer weiter in den Vordergrund rückt: Was macht es mit mir, was ist meine Antwort darauf? Wo ist mein Handlungsspielraum?

Ich bin aus dieser Beziehung unter anderem rausgegangen, da ich meinen Handlungsspielraum (für mein Leben) nicht mehr gesehen habe. Später war ich dann überrascht, dass ich ihn immer noch nicht hatte. Er war scheinbar kleiner denn je. Aber ich habe mehr und mehr die Bedeutung des Schrittes gesehen: Nämlich den Raum dafür durch die Distanz zu schaffen (Mehr dazu in einem Beitrag zu „Grenzen„). Jetzt muss ich ihn nur nutzen! Ich habe natürlich Handlungsspielraum. Ich geniesse den vielen Freiraum, den ich plötzlich habe! Ich geniesse die (viele) Zeit, die ich plötzlich mit meinen Jungs habe. Bewusste Zeit; die habe ich mir früher nicht (in dem Maße) genommen/nehmen können. Ich kann entscheiden, planen, gestalten. Alles ist möglich. Plötzlich sehe ich es und ich bin so dankbar für alle Erfahrungen die ich gemacht habe. Der Weg scheint sehr anstrengend und fordernd zu sein, aber das zeigt mir nur, welches Ausmass der Schaden hatte, den ich nun lerne zu bearbeiten. Zu heilen.

Ich suche mein Leben! Es scheint schwer zu sein, es zu finden. Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich es nie gesucht habe. Ich meinte sicher oft, mein Leben zu leben, aber das stimmte gar nicht. Ich war einer Illusion erlegen.

Dafür kann ich niemandem die Schuld geben, sondern trage die Verantwortung selbst!

 

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2 Gedanken zu “Verantwortung

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