Unterhaltsvorschuss

Es ist mir ja seit der Trennung ein nicht unerheblicher Dorn im Auge, dass die Kindsmutter nach heutigem Verständnis einfach entscheiden kann: sie sei alleinerziehend.

Dazu muss ich nicht gefragt werden, damit muss ich nicht einverstanden sein. Ich kann dagegen kämpfen und sagen: Ich bin Vater und ich möchte meine Verantwortung für meine Kinder auf diese Art und Weise wahrnehmen, die ich für richtig halte.

Aber nein, sie kann es »machen«, dass ihr Leben mit dem Unterhaltsvorschuss aufrechterhalten wird und meines mit den sich anhäufenden Schulden wirtschaftlich zerstört wird. Wenn es dann darum geht, Zehntausende Euro an das Jugendamt zu zahlen, wo keine Zehntausende Euro sind. Ich habe das Geld nicht, Punkt.

Heute traf ich mich aber mit einem Fachanwalt für Sozialrecht, bei dem es um einen Antrag auf ALG 2 zur Aufstockung der Selbstständigkeit geht (auch hier die Position verändern, sonst passiert nichts;-). Dieser erhellte meinen Horizont in einer Weise, die mich wie der Schlag traf.

Wenn ich einen Unterhaltstitel anerkenne, und das in der Höhe meines durchschnittlichen Einkommens, dann kann ich diese Ausgaben gegenüber dem Amt geltend machen und die Folge ist:

Es häufen sich keine Schulden mehr an!

Ich bin wirklich geschockt von dieser Erkenntnis (und natürlich der Klarheit, dass ich es hätte die ganze Zeit schon so machen können und daher nicht jetzt schon um die 20.000€ Schulden an UHV haben müsste) und muss das erstmal verdauen.

Also, ich habe das Geld nicht. Ich habe gerade soviel Geld, dass es zum Leben reicht, für eine (zu) kleine Wohnung, in der zu nicht unerheblicher Zeit auch meine Kinder mit wohnen. Aber wenn ich Leistungen nach SGB II beantrage, dann werden Ausgaben in Form von Unterhalt übernommen?!?!? Warum sagt einem das keiner? Hiermit sage ich es und hoffe, dass es viele Menschen in einer ähnlichen Situation wie meiner lesen.

Setzt euch mit Anwälten zusammen! Setzt euch mit Sachen wie Beratungshilfeschein, Prozesskostenhilfe, Verfahrenskostenhilfe, Amtsgericht auseinander. Geht los!

Ich geh jetzt los…

–> Achtung, Korrektur im nächsten Beitrag: Unterhaltstitel

Unterhaltsvorschuss

Beschluss

So. Da ist er, der Beschluss. Meinem Antrag auf Umgangsregelung mit meiner jüngsten Tochter wurde weitestgehend entsprochen. Ich freue mich sehr und bin sehr erleichtert, da es

  • jetzt schwarz auf weiß ist
  • Verbindlichkeit hat
  • regelmässig und aufbauend ist

Das war mit der Kindsmutter in den letzten 2,5 Jahren so  – trotz verschiedener Beratungen – nicht zu erreichen und ich bin froh, endlich diesen Schritt gegangen zu sein.

Meine Anwältin – ich kann sie unbedingt weiterempfehlen! – sagte im Nachhinein lapidar…das gleiche Ergebnis hätten Sie auch vor einem Jahr schon haben können. Das ist mir auch klar. Aber es ist gut für mich, das immer wieder zu sehen:

Eher losgehen!

Nicht so lang warten, bis es unerträglich geworden ist. (Wobei diese Schwelle schon deutlich gesunken ist…)

Ich bin ausserdem sehr erleichtert, da jetzt klar ist, welcher Richter für uns verantwortlich ist (und bleibt) – ich würde auch ihn weiterempfehlen, aber das kann man sich wohl nicht aussuchen;-) Er ist ein sehr klarer, ruhiger, strukturierter Herr. Sehr aufmerksam und bedacht.
Auch die Verfahrenspflegerin ist ein riesiger Glücksfall! Wir kennen Sie schon seit Jahren. Das kann ja alles auch ziemlich schief gehen. Es gibt wohl keine besonderen Kriterien an Leute, die sich als Verfahrenspfleger bewerben. Man macht da einen kleinen Kurs, und dann wird man auf die Familien/Kinder losgelassen. Es ist ja gut, dass es mittlerweile so eine Einrichtung gibt. Aber keine Qualifikationen, Voraussetzungen, besondere Motivation, um dann beurteilen zu können, wie etwas für ein Kind gut sein könnte? Wie soll das gehen?

Beschluss

Gerichtsverhandlung

Morgen ist nun die Gerichtsverhandlung.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht aufgeregt. Beim ersten Mal ist es schon spannend.

Interessanterweise wird mein Blick jetzt davor immer größer: Ich denke daran, dass ich mit der Frau mal eine Familie gegründet habe. Wir haben Wohnungen ausgebaut, zusammen gelebt, Kinder gehütet, anfangs auch zusammen beruflich Dinge erschaffen. Immerhin fast 10 Jahre lang.
Heute begrüße ich jeden Tag, den ich in der Distanz zu ihr bin.

Die Verfahrenspflegerin fragte mich letzte Woche, was die Gründe waren, mich von ihr zu trennen. Das erste, was mir einfiel war: Die Schwere. Die unerträgliche Schwere, die Last (ihres Lebens) auf meinem Leben. Das konnte ich nicht mehr aushalten. Ich musste da raus, da es mich zu erdrücken versuchte. Ich musste mein Leben retten. Das was ich innerhalb der Beziehung nicht geschafft habe (und davor noch weit davon entfernt war) und was innerhalb der Beziehung auch aussichtslos war. Ich merke es jetzt…es findet bei ihr keine Entwicklung statt. Keine Entwicklung aus der Schwere, des Leidens und des Opferseins heraus.
Der Kommentar der Verfahrenspflegerin: Ja, Schwere ist auch ein Lebenskonzept…

Nun bin ich hier; will mein Lebenskonzept leben und meine Kinder daran teilhaben lassen. Und wenn ich auf den Aspekt schaue, der morgen verhandelt wird – ein regelmässiger und auszubauender Kontakt zu meiner Tochter – dann bin ich froh, dass es endlich soweit ist. Dass ich sie endlich in mein Leben integrieren kann. Dass sie bei mir schlafen wird, nicht mehr Wochen oder Monate zwischen unseren Treffen liegen müssen, wir, auch mit den Jungs, ein gemeinsames Leben haben können.

Apropros Jungs. Die sind ja gar nicht damit einverstanden, dass SIE jetzt in meinem Leben Einzug hält. Das überraschte mich. Aber mittlerweile verstehe ich, dass es für die beiden ziemlich schwer sein muss, da sie mich so eine lange Zeit „exklusiv“ hatten und nun teilen müssen. Aber wir werden uns mit der neuen Situation arrangieren, da bin ich mir sicher.

Nun schaue ich auf das Ganze und finde es auch wieder absurd, dass man ein Gericht um Klärung bemühen muss, da die Mutter des gemeinsamen Kindes einen regelmässigen und aufbauenden Kontakt mit dem Kind verhindert, bzw. massiv erschwert. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen, und aus der Sicht des Kindes untragbar. Aber es ist eben so und ich gehe diesen Schritt.
Währenddessen stelle ich eine große Versachlichung der Situation fest. Das fühlt sich sehr gut an. Wie oft habe ich mich den Versuchen der Kindsmutter ausgeliefert gefühlt, mich auf die emotionale Ebene zu ziehen, woraufhin jede Klärung oder Übermittlung von Informationen sofort stagnierte. Jetzt gerade fühlt es sich wirklich viel klarer und leichter an. Ich versuche, dieses Gefühl und die Idee des Zustandes mit in die nachgerichtliche Zeit hinüber zu nehmen.

Gerichtsverhandlung