Gerichtsverhandlung

Morgen ist nun die Gerichtsverhandlung.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht aufgeregt. Beim ersten Mal ist es schon spannend.

Interessanterweise wird mein Blick jetzt davor immer größer: Ich denke daran, dass ich mit der Frau mal eine Familie gegründet habe. Wir haben Wohnungen ausgebaut, zusammen gelebt, Kinder gehütet, anfangs auch zusammen beruflich Dinge erschaffen. Immerhin fast 10 Jahre lang.
Heute begrüße ich jeden Tag, den ich in der Distanz zu ihr bin.

Die Verfahrenspflegerin fragte mich letzte Woche, was die Gründe waren, mich von ihr zu trennen. Das erste, was mir einfiel war: Die Schwere. Die unerträgliche Schwere, die Last (ihres Lebens) auf meinem Leben. Das konnte ich nicht mehr aushalten. Ich musste da raus, da es mich zu erdrücken versuchte. Ich musste mein Leben retten. Das was ich innerhalb der Beziehung nicht geschafft habe (und davor noch weit davon entfernt war) und was innerhalb der Beziehung auch aussichtslos war. Ich merke es jetzt…es findet bei ihr keine Entwicklung statt. Keine Entwicklung aus der Schwere, des Leidens und des Opferseins heraus.
Der Kommentar der Verfahrenspflegerin: Ja, Schwere ist auch ein Lebenskonzept…

Nun bin ich hier; will mein Lebenskonzept leben und meine Kinder daran teilhaben lassen. Und wenn ich auf den Aspekt schaue, der morgen verhandelt wird – ein regelmässiger und auszubauender Kontakt zu meiner Tochter – dann bin ich froh, dass es endlich soweit ist. Dass ich sie endlich in mein Leben integrieren kann. Dass sie bei mir schlafen wird, nicht mehr Wochen oder Monate zwischen unseren Treffen liegen müssen, wir, auch mit den Jungs, ein gemeinsames Leben haben können.

Apropros Jungs. Die sind ja gar nicht damit einverstanden, dass SIE jetzt in meinem Leben Einzug hält. Das überraschte mich. Aber mittlerweile verstehe ich, dass es für die beiden ziemlich schwer sein muss, da sie mich so eine lange Zeit „exklusiv“ hatten und nun teilen müssen. Aber wir werden uns mit der neuen Situation arrangieren, da bin ich mir sicher.

Nun schaue ich auf das Ganze und finde es auch wieder absurd, dass man ein Gericht um Klärung bemühen muss, da die Mutter des gemeinsamen Kindes einen regelmässigen und aufbauenden Kontakt mit dem Kind verhindert, bzw. massiv erschwert. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen, und aus der Sicht des Kindes untragbar. Aber es ist eben so und ich gehe diesen Schritt.
Währenddessen stelle ich eine große Versachlichung der Situation fest. Das fühlt sich sehr gut an. Wie oft habe ich mich den Versuchen der Kindsmutter ausgeliefert gefühlt, mich auf die emotionale Ebene zu ziehen, woraufhin jede Klärung oder Übermittlung von Informationen sofort stagnierte. Jetzt gerade fühlt es sich wirklich viel klarer und leichter an. Ich versuche, dieses Gefühl und die Idee des Zustandes mit in die nachgerichtliche Zeit hinüber zu nehmen.

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