Gericht

Lange habe ich gezögert, zum Gericht zu gehen und einen Antrag auf Umgangsregelung zu stellen.
Ich denke, das ist aber ziemlich unnötig. Im Zuge der Antragstellung habe ich davon, wie die Situation derzeit ist und wie sie gesamte Zeit seit der Trennung war, nochmals ein Bild gezeichnet. Aus dem wird deutlich, dass ich schon längst hätte diesen Schritt gehen sollen. Aber egal, jetzt ist die Zeit und ich merke, dass es jetzt mein Schritt ist.

Ich habe in Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass Väter grundsätzlich viel zu lange warten, um an dieser Stelle für eine Klarheit zu sorgen. Ich selbst habe bei mir kennengelernt, wie ich „verharre“ in der Situation. Wie ich „hoffe“, dass sich irgendetwas ändert (z.B. die Haltung der Kindsmutter). Dass wir doch irgendwie noch an einem Strang ziehen, in Gesprächen Lösungen finden. Aber das ist einfach nicht der Fall.

Ich habe mich gefragt, was erzähle ich meinen Kindern später einmal, wenn sie mich fragen, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Manchmal passiert es mir jetzt schon; wenn mich andere Erwachsene fragen, wie das möglich ist. , Wie die Kindsmutter so agieren kann, wieso sich die ganze Zeit nichts bewegt hat.
Immer mehr kristallisiert sich für mich heraus, welche Rolle ich dabei habe. Daher habe ich beschlossen: Ich kann die Situation nur bewegen, wenn ich meine Position verändere. Wenn ich weiterhin in meiner Position verharre, wird sich nichts ändern. Frei nach Einstein (oder von wem auch immer es nun ist):

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Also, weg vom Wahnsinn. Jetzt verstehe ich auch, warum mich das manchmal „wahnsinnig macht“. Ausserdem, weg von der Opferrolle. Opfer der äußeren Umstände sein. Ich will nicht mehr Opfer der äußeren Umstände sein. Es ist manchmal sehr schwer, das zu erkennen – da alles so real scheint -, aber ich habe große Lust, es zu entdecken!

Gericht

Verantwortung II

An alle Väter!

Wir leben in einem Land und in einer Zeit, in dem die Mutter deiner Kinder sagen kann, die Kinder wohnen bei ihr. Dann kann sie sagen, du bist mir etwas schuldig! Du musst dafür bezahlen, da die Kinder bei mir wohnen. Dann kann es sein, dass du gar kein Geld übrig hast. Sondern gerade so viel, dass es zum Leben (und zum Leben mit den Kindern) reicht. Kein Problem, dann kann sie sagen, dann nehme ich deine Schulden.
Und bekommt sie. Im Namen von Unterhaltsvorschuss.

Und ihr habt keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Ich sage es nochmal in Kürze, da es ganz wichtig ist, das Prinzip zu verstehen:
Mutter: „Die Kinder wohnen bei mir!“
Vater: „Ich möchte die Kinder aber auch betreuen.“
Mutter: „Du bist mir etwas schuldig, da die Kinder bei mir wohnen. Ich nehme das Kindergeld, Kinderzuschlag, was auch immer, aber ich will auch noch deine Schulden, wenn du nicht genug hast, mir noch mehr zu bezahlen!“
Vater: „Aber ich möchte doch mein Leben mit den Kindern. Ich bin doch ihr Vater! Ich habe doch das gleich Recht, für die Kinder zu sorgen und sie zu betreuen! Ich möchte ein Leben in Freiheit und ein Leben mit meinen Kindern!“
Mutter: „Ich weiß, was gut für die Kinder ist. Ich gebe ihnen die Stabilität, die sie brauchen.“(Wenn man die Mutter so kennengelernt hat, dass sie schon mit einem Kind überfordert ist, will ich mir gar nicht vorstellen, wie das mit vier Kindern aussieht…einem pubertierenden, mit dem sie noch nie klargekommen ist, und das kleinste eben noch ein Säugling, und die dazwischen mit einer wunderbaren Jungs-Energie, die sie schon immer unterdrücken wollte und überhaupt keine Ahnung hat, damit umzugehen…)

Ich bin mir sicher, dass es Situationen gibt, in denen diese Regelung sinnvoll ist. Zum Beispiel, wenn der Vater sich einen Scheiß um die Kinder kümmert. Wenn er froh ist, seine Ruhe zu haben. Oder abhaut. Aber ich frage mich derzeit, wie viele Väter es wohl gibt, denen es so geht wie mir. Dass sie vor der Tür stehen, darauf drängen, sich um die Kinder zu kümmern, ein Leben mit den Kindern zu haben, Verantwortung für die Kinder übernehmen wollen, aber die Mutter mit aller Macht die sie hat, dort rausdrängen kann.

Die Eltern sind Eltern, zu gleichen Teilen. Das ist eine Grundvoraussetzung! Vater ist gleichwertig zu Mutter. Die Mutter darf sich (und ihre Meinung) nicht über den Vater stellen. Das spüren die Kinder sehr genau und wachsen eben in dieser Situation auf.

Väter, nehmt euren Raum! Schon in der Beziehung! Übernehmt die Verantwortung für eure Kinder. Übernehmt die Verantwortung für eure Beziehungen! Für jede der Beziehungen. Ihr gestaltet jede Beziehung selbst. Überlasst es niemand anderem! Ihr seid dafür verantwortlich, welche Qualität die Beziehungen haben. Behauptet euren Raum. Vertraut eurer Intuition, seid anwesend!
Dann wird sich in dieser Hinsicht auch etwas verändern.

Ich frage mich, wie sich das anfühlen muss, wenn man als Frau das Gefühl hat, der Vater der eigenen Kinder ist für einen verantwortlich. Ist einem was schuldig.
Wenn die Paarbeziehung getrennt ist, dann hat jeder seinen Raum. Dann ist jeder für sich und sein Leben verantwortlich und sollte sich nicht in Abhängigkeit an jemand anders dranhängen. Sicher schon nicht in der Beziehung. Das entscheidet jeder für sich selbst, ich frage mich nur, wie es sich anfühlt.
Und vor allem sollte man seine Kinder nicht dafür benutzen, selbst zu überleben. Weder emotional, noch finanziell. Es gibt immer Möglichkeiten. Aber die Kinder als Stützpfeiler für das eigene Leben zu benutzen, ist meiner Ansicht nach keine geeignete.

Vor allem nicht für die Kinder!

Verantwortung II

Grenzen

Allem voran die eigenen Grenzen erkennen!
Die eigenen Grenzen kennenlernen und dann zu ihnen stehen. Zwei riesige Themen!

Wenn ich mit meinen Kindern zusammen bin, dann stelle ich fest: Wichtiger als den Kindern Grenzen zu setzen ist es, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu ihnen zu stehen.
Ich gebe zu, das ist nicht meine Idee, sondern ich habe es mir von Jesper Juul, dem großartigen dänischen Familientherapeuten geborgt. Aber dafür hat er es ja auch in den Raum gestellt.

Und ich erlebe es jeden Tag! Wenn ich gut für mich sorgen kann, dann ist auch für meine Kinder gesorgt. Oder besser, dann kann ich auch für meine Kinder sorgen. Denn erst dann habe ich auch Kraft dazu. Oder Energie übrig. Und Aufmerksamkeit.

Die eigenen Grenzen herauszufinden bedeutet nicht, sich einzumauern. Eigentlich sogar das Gegenteil davon, nämlich durchlässig zu werden. Durchlässig für die Dinge, die von aussen kommen. Sie bleiben nicht an mir haften, sondern ich bin durchlässig für sie. Ich habe mir den nötigen Abstand verschafft, um sie mit einer gewissen Distanz betrachten zu können und sie entweder in mich aufzunehmen oder durch mit hindurch zu lassen. Damit belasten sie mich auch nicht.

Das macht frei! Und das fühlt sich gut an!

Eben auch für die Kinder. Dann können sie frei sein und sie selbst sein. Ich sorge für mich, kann den Kindern achtsam gegenüber sein und sie sind frei darin, ihren Bedürfnissen Ausdruck zu geben. Ich bewerte es nicht als etwas, das mich stört, sondern etwas, dessen Wahrnehmung mich bereichert.

Herrlich!

Grenzen setzen heißt nicht nur, sich nicht durch Dinge zu beschweren, sondern auch, nicht alles hinauszulassen. Nicht Energie, wo eigentlich keine mehr ist. Nicht Tatendrang, wenn es nichts zu tun gibt.

Sich herausnehmen, wenn es für einen selbst zu viel ist.

Und das Beste: Die Kinder lernen es so am besten. Wie geht man mit seinen eigenen Grenzen um. Das bedeutet auch, sie lernen, ihre eigenen Grenzen herauszufinden und für sie einzustehen. Für sich einzustehen. Was gibt es besseres, als heranwachsende Menschen, die lernen, für sich einzustehen!

Wie gesagt, ein Lernfeld. Es geht Stück für Stück. Und es gibt dabei keine Fehler!

 

Grenzen

Die Söhne

Prachtkerle, die beiden. Herrliche Menschen! Ich entdecke die Beziehung zu ihnen. Oder besser, ich entdecke den Raum und die Möglichkeit, die Beziehung zu ihnen zu gestalten. Ich habe es in der Hand!

Das fühlt sich gut an. Vor allem deshalb, weil ich es früher nicht konnte. Früher war, als wir noch eine „richtige“ Familie waren. Dann habe ich aber bemerkt, dass ich Schaden nehme. Neun Jahre lang habe ich es bemerkt, aber verdrängt. Bis ich festgestellt habe, dass ich mehr Schaden nehme, als ich aushalten kann. Oder mehr Energie verliere, als reinkommt. Wie auch immer.

Ich will gleich noch abkürzen, beziehungsweise ausholen. Die Frage ist: Warum habe ich Schaden genommen und warum habe ich dagegen nichts tun können?

Im letzten Jahr habe ich unglaublich viele Dinge gelernt. Vor allem über mich. Ich bin so dankbar dafür, diese Dinge kennengelernt zu haben. Mir ist klar geworden, dass ich es zu der Zeit, als die Familie „einhäusig“ existierte, so gut gemacht habe, wie ich konnte. Ich habe es im Prinzip immer so gut gemacht, wie ich konnte. Ich habe immer versucht, es so gut, wie möglich zu machen. Es so gut wie möglich zu machen, dass es anderen (in diesem Falle meiner Partnerin) so gut wie möglich geht. Oder zumindest, dass es so wenig Ärger wie möglich gab, oder Spannungen, oder emotionale Erpressung, oder Kälte, Schuldzuweisungen, Distanz, Abweisung, Scheiß-Stimmung. Klingt komisch, ist aber so. Und ich glaube, es ist ganz oft so. Ich habe gelernt, dass es Liebe gegen Bedingungen gibt. Natürlich habe ich das nicht von meiner Partnerin gelernt. Da war es schon in Fleisch und Blut übergegangen und hat all mein Handeln bestimmt. Schon viel früher…

Jedenfalls habe ich es so gut gemacht, wie es mir möglich war…und habe dabei ganz vergessen, für mich zu sorgen. Wie ist es denn für mich gut? Wie fühlt es sich denn für mich richtig an? Wie viel ist denn eigentlich gut für mich?

Wie ich jetzt lerne, war mir die Beantwortung dieser Fragen zu der Zeit gar nicht möglich (und auch jetzt fällt es mir noch schwer), da ich es gar nicht sehen konnte. Was für mich gut war. Oder was nicht. Und ich habe neun Jahre nicht gesehen, dass es schon lange nicht mehr gut war. Aber ich habe weiter gemacht, es weiter gut gemacht, recht gemacht, so gut wie möglich gemacht, besser gemacht.

Jetzt frage ich mich manchmal, wie ich es so lange nicht bemerken konnte. Aber das ist glaube ich gar nicht so. Ich habe es bemerkt. Aber ich habe es verdrängt und vergessen. Oder ich habe mich belogen.

Da blitzt schon die nächste Frage auf: Warum habe ich mich belogen? Warum konnte ich die Wahrheit nicht sehen? Weil ich Angst hatte. Angst vor dem, was dann kommt. Angst davor, die Verantwortung (endlich) zu übernehmen. Angst vor Veränderung. Einfach Angst.

Angst davor, Verlassen zu sein.

Ich habe verlassen, aber ich hatte Angst, verlassen zu werden. Paradox. Auch nach der Trennung habe ich oft große Verlassensangst gespürt.

Nächstes Thema, das unbedingt dazugehört: Grenzen. Die eigenen Grenzen erfahren, die eigenen Grenzen setzen und auch dazu stehen. Das scheint eine riesige Aufgabe zu sein, wie ich jetzt lerne. Es wird wahrscheinlich ein lebenslanges Lernfeld bleiben.
Die erste Grenze, die ich in meinem Leben gesetzt habe und zu der ich auch gestanden habe war, „Nein“ zu meiner Partnerin und Mutter meiner Kinder zu sagen. Aber ich denke, das wird ein anderer Beitrag…

Was hat das mit meinen Söhnen zu tun?

Sie waren mein Wegweiser! Ich habe sie kennengelernt, als ich die Entscheidung zur Trennung innerlich getroffen habe. Oder: Als ich die Unausweichlichkeit der Entscheidung erkannte. Da habe ich sie kennengelernt, wie frei sie sein können. Wie frei wir zusammen sein können. Wie viel lachen wir können und wie tief unsere Beziehung sein kann. Das habe ich kennengelernt – und ich wusste, es war nur der Ausblick auf noch mehr – als ich die Entscheidung noch nicht einmal ausgesprochen habe!

Ich habe kennengelernt, dass ich keine Angst haben muss!

Die Söhne