Die erste Nacht

Heute hat meine jüngste Tochter das erste Mal bei mir geschlafen. Das heißt…sie schläft noch, bzw. schon. Ach, ich bin ganz begeistert.

Ich war schon etwas aufgeregt. Aber es war gar keine Frage für sie! Einfach hingelegt, streicheln lassen, erzählt, erzählt, erzählt…(es sprudelte aus ihr heraus und sie erzählte, wen sie alles sehr lieb hat, zählte die Kuscheltiere (3), usw.)…irgendwann hatte ich keine Lust mehr und ging raus, und sie schlummerte einfach ein!

Ehrlich gesagt hatte ich mich auf Komplikationen eingestellt. Schon überlegt, ob ich dann die Kindsmutter anrufe, bzw. wann ich sie anrufe (wenn es gar nicht geht). Sie hatte wohl noch niemals vorher woanders als bei ihrer Mutter geschlafen. Und nun das. Ich bin wirklich begeistert und finde, dass sie es echt gut macht. Dieses kleine Kind von knapp drei Jahren.

Und ich bin so dankbar, dass ich die Angelegenheit endlich habe gerichtlich klären lassen; so lange habe ich gehofft und geglaubt, dass wir es  irgendwie hinbekommen würden. Aber nun steht es auf dem Zettel, der Plan ist klar – geregelt und verbindlich. Und die Beziehung zur Kindsmutter hat eine sachliche Ebene erreicht, die sie bis jetzt auch nicht haben konnte. Plötzlich geht es.

Jetzt gehe ich auch bald ins Bett. Die Jungs waren sich zwar uneinig auf meine Nachfrage, wann sie denn so aufwacht am Morgen (von ’sehr früh‘ bis ‚eigentlich recht spät‘), also, falls es sehr zeitig wird…

Gute Nacht!

Die erste Nacht

Gerichtsverhandlung

Morgen ist nun die Gerichtsverhandlung.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht aufgeregt. Beim ersten Mal ist es schon spannend.

Interessanterweise wird mein Blick jetzt davor immer größer: Ich denke daran, dass ich mit der Frau mal eine Familie gegründet habe. Wir haben Wohnungen ausgebaut, zusammen gelebt, Kinder gehütet, anfangs auch zusammen beruflich Dinge erschaffen. Immerhin fast 10 Jahre lang.
Heute begrüße ich jeden Tag, den ich in der Distanz zu ihr bin.

Die Verfahrenspflegerin fragte mich letzte Woche, was die Gründe waren, mich von ihr zu trennen. Das erste, was mir einfiel war: Die Schwere. Die unerträgliche Schwere, die Last (ihres Lebens) auf meinem Leben. Das konnte ich nicht mehr aushalten. Ich musste da raus, da es mich zu erdrücken versuchte. Ich musste mein Leben retten. Das was ich innerhalb der Beziehung nicht geschafft habe (und davor noch weit davon entfernt war) und was innerhalb der Beziehung auch aussichtslos war. Ich merke es jetzt…es findet bei ihr keine Entwicklung statt. Keine Entwicklung aus der Schwere, des Leidens und des Opferseins heraus.
Der Kommentar der Verfahrenspflegerin: Ja, Schwere ist auch ein Lebenskonzept…

Nun bin ich hier; will mein Lebenskonzept leben und meine Kinder daran teilhaben lassen. Und wenn ich auf den Aspekt schaue, der morgen verhandelt wird – ein regelmässiger und auszubauender Kontakt zu meiner Tochter – dann bin ich froh, dass es endlich soweit ist. Dass ich sie endlich in mein Leben integrieren kann. Dass sie bei mir schlafen wird, nicht mehr Wochen oder Monate zwischen unseren Treffen liegen müssen, wir, auch mit den Jungs, ein gemeinsames Leben haben können.

Apropros Jungs. Die sind ja gar nicht damit einverstanden, dass SIE jetzt in meinem Leben Einzug hält. Das überraschte mich. Aber mittlerweile verstehe ich, dass es für die beiden ziemlich schwer sein muss, da sie mich so eine lange Zeit „exklusiv“ hatten und nun teilen müssen. Aber wir werden uns mit der neuen Situation arrangieren, da bin ich mir sicher.

Nun schaue ich auf das Ganze und finde es auch wieder absurd, dass man ein Gericht um Klärung bemühen muss, da die Mutter des gemeinsamen Kindes einen regelmässigen und aufbauenden Kontakt mit dem Kind verhindert, bzw. massiv erschwert. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen, und aus der Sicht des Kindes untragbar. Aber es ist eben so und ich gehe diesen Schritt.
Währenddessen stelle ich eine große Versachlichung der Situation fest. Das fühlt sich sehr gut an. Wie oft habe ich mich den Versuchen der Kindsmutter ausgeliefert gefühlt, mich auf die emotionale Ebene zu ziehen, woraufhin jede Klärung oder Übermittlung von Informationen sofort stagnierte. Jetzt gerade fühlt es sich wirklich viel klarer und leichter an. Ich versuche, dieses Gefühl und die Idee des Zustandes mit in die nachgerichtliche Zeit hinüber zu nehmen.

Gerichtsverhandlung

Lösungen / Kompromisse

Lange war mir verborgen, was hier passiert. Bezogen auf das Stichwort: Lösungen.

Lösungen, bzw. Kompromisse lassen sich finden, wenn jede der beteiligten Parteien hinstellen kann, was sie sich vorstellt und man daraus etwas formt, was eine Annäherung beider Positionen ist.

Jetzt ist es bei uns so – das hat sich an verschiedenen Beispielen gezeigt, und ich bin froh, das endlich durchschaut zu haben -, dass wir keine Lösungen finden, sondern ich nur den „Vorschlägen“ der Kindsmutter zustimmen kann. Oder es bleiben lassen kann. „Vorschläge“ deshalb, da Vorschläge eigentlich davon charakterisiert sind, dass man daraus etwas entwickelt, an dem beide beteiligt sind. Daher sind es eigentlich keine Vorschläge, sondern Festlegungen.

Bei den Jungs war es so, dass wir nach über zwei Jahren von Hin und Her (stundenweise Besuchszeit, weitestgehend ohne Übernachtungen, ständiges Herausreissen der Kinder bei mir) und meiner immerwährenden Motivation, dieses „Modell“ von Anfang an zu verändern, plötzlich von der Kindsmutter einen Vorschlag hatten. Der beinhaltete weniger Tage, dafür mehr Übernachtungen, aber weiterhin tägliche Wechsel der Kinder. Ich habe den „Vorschlag“ begrüßt, in dem Glauben, dass wir auf der Basis eine gemeinsame Lösung finden können. Bis ich erkannte, dass ich einem Irrtum erlag und der „Vorschlag“ die einzig annehmbare Veränderung für die Kindsmutter bedeutete. Ich hatte die Möglichkeit, es genauso zu akzeptieren, oder auf das alte „Modell“ zurückzufallen, oder die Beratungen abzubrechen und die Ebene zu wechseln. In diesem Fall habe ich mich (wieder) dafür entschieden, dem zuzustimmen.

Im Falle meiner jüngsten Tochter war es so, dass es einen „Vorschlag“ zu einem Umgang von der Kindsmutter gab. Der war nicht regelmässig, draussen, nur im Beisein der Mutter, kürzer in der Zeit als was wir vorher schon in der Beratungsstelle erreicht hatten. Alles in allem verschiedene Bedingungen, denen ich nicht so zustimmen wollte und es auch nicht tat.
Die Folge: Ich kann meine Tochter nicht sehen. Der Hinweis auf „mein Vorschlag steht weiterhin“ war die einzige Reaktion auf meine Bitte, eine andere Lösung zu finden.
Seitdem sind mehr als drei Monate vergangen, in denen ich meine Tochter nicht sehen konnte.

Lösungen / Kompromisse

Gericht

Lange habe ich gezögert, zum Gericht zu gehen und einen Antrag auf Umgangsregelung zu stellen.
Ich denke, das ist aber ziemlich unnötig. Im Zuge der Antragstellung habe ich davon, wie die Situation derzeit ist und wie sie gesamte Zeit seit der Trennung war, nochmals ein Bild gezeichnet. Aus dem wird deutlich, dass ich schon längst hätte diesen Schritt gehen sollen. Aber egal, jetzt ist die Zeit und ich merke, dass es jetzt mein Schritt ist.

Ich habe in Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass Väter grundsätzlich viel zu lange warten, um an dieser Stelle für eine Klarheit zu sorgen. Ich selbst habe bei mir kennengelernt, wie ich „verharre“ in der Situation. Wie ich „hoffe“, dass sich irgendetwas ändert (z.B. die Haltung der Kindsmutter). Dass wir doch irgendwie noch an einem Strang ziehen, in Gesprächen Lösungen finden. Aber das ist einfach nicht der Fall.

Ich habe mich gefragt, was erzähle ich meinen Kindern später einmal, wenn sie mich fragen, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Manchmal passiert es mir jetzt schon; wenn mich andere Erwachsene fragen, wie das möglich ist. , Wie die Kindsmutter so agieren kann, wieso sich die ganze Zeit nichts bewegt hat.
Immer mehr kristallisiert sich für mich heraus, welche Rolle ich dabei habe. Daher habe ich beschlossen: Ich kann die Situation nur bewegen, wenn ich meine Position verändere. Wenn ich weiterhin in meiner Position verharre, wird sich nichts ändern. Frei nach Einstein (oder von wem auch immer es nun ist):

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Also, weg vom Wahnsinn. Jetzt verstehe ich auch, warum mich das manchmal „wahnsinnig macht“. Ausserdem, weg von der Opferrolle. Opfer der äußeren Umstände sein. Ich will nicht mehr Opfer der äußeren Umstände sein. Es ist manchmal sehr schwer, das zu erkennen – da alles so real scheint -, aber ich habe große Lust, es zu entdecken!

Gericht

Geburtstag

Eine gelungene Veranstaltung.

Kuchen mit zwei Kerzen auf dem Bürgersteig, Geschenke aufreissen während des Spazierganges zum Spielplatz, dort langsame Annäherung und dann stürmische Spiele. Auch die Großeltern waren mit da. Sie haben sie ungefähr zum ersten Mal gesehen.

Ich würde sagen, alle haben es gut gemacht. Auch die Mutter des Kindes, denn es war das erste Mal, dass sie sie mir übergeben hat und wir – zusammen mit den Jungs – allein losgezogen sind. Es fällt mir nicht leicht das zu sagen, denn ich komme nicht weg davon zu sagen, dass sie unsere Verbindung erschwert, verzögert, verhindert. Aber in unserem System das wir hier haben, war es ein Schritt nach vorn.

Unser System. Ich bin wirklich gespannt, wo es hingeht, unser System…

Geburtstag

Wie fühlt eine Mutter…

die sagt: „Wenn es nach mir ginge, müsste er seine Tochter überhaupt nicht sehen!“

Also, ich als Vater fühle Schmerz.

Darüber, dass ich eine Frau als Mutter meiner Kinder gewählt habe, die so etwas sagen würde.
Darüber, dass ich meine Tochter mittlerweile wieder zwei Monate nicht sehen konnte und es keinen Weg gab, mit ihrer Mutter etwas ausserhalb der Beratungsstelle auszumachen.
Darüber, dass ich meine Tochter zur Zeit jeden Monat für zwei Stunden sehe.
Darüber, dass die Mutter nicht sehen kann, was sie mit dem anrichtet, was sie tut.

Wie fühlt eine Mutter…

Meine Tochter II

Gestern habe ich meine Tochter getroffen.

Das erste Lächeln hat alles entschieden. So fühlte es sich an. Ich kam rein (in den Vorraum der Beratungsstelle), sie war schon mit Autos und Kuscheltieren beschäftigt und dann schleuderte sie mir ihr strahlendstes Lächeln zu!

Wie zufällig schaute aus der Tasche die ich bei mir hatte eine kleine selbstgenähte Puppi heraus, die ihre Aufmerksamkeit auch gleich auf sich zog. Ab da war alles ganz leicht.

Wir lachten, sie zeigte mir, was sie alles konnte, ich durfte ihr die Rotze von der Nase wischen und wir hatten viel Spass. Sehr schön. Nun geht es weiter!

Meine Tochter II