Die erste Nacht

Heute hat meine jüngste Tochter das erste Mal bei mir geschlafen. Das heißt…sie schläft noch, bzw. schon. Ach, ich bin ganz begeistert.

Ich war schon etwas aufgeregt. Aber es war gar keine Frage für sie! Einfach hingelegt, streicheln lassen, erzählt, erzählt, erzählt…(es sprudelte aus ihr heraus und sie erzählte, wen sie alles sehr lieb hat, zählte die Kuscheltiere (3), usw.)…irgendwann hatte ich keine Lust mehr und ging raus, und sie schlummerte einfach ein!

Ehrlich gesagt hatte ich mich auf Komplikationen eingestellt. Schon überlegt, ob ich dann die Kindsmutter anrufe, bzw. wann ich sie anrufe (wenn es gar nicht geht). Sie hatte wohl noch niemals vorher woanders als bei ihrer Mutter geschlafen. Und nun das. Ich bin wirklich begeistert und finde, dass sie es echt gut macht. Dieses kleine Kind von knapp drei Jahren.

Und ich bin so dankbar, dass ich die Angelegenheit endlich habe gerichtlich klären lassen; so lange habe ich gehofft und geglaubt, dass wir es  irgendwie hinbekommen würden. Aber nun steht es auf dem Zettel, der Plan ist klar – geregelt und verbindlich. Und die Beziehung zur Kindsmutter hat eine sachliche Ebene erreicht, die sie bis jetzt auch nicht haben konnte. Plötzlich geht es.

Jetzt gehe ich auch bald ins Bett. Die Jungs waren sich zwar uneinig auf meine Nachfrage, wann sie denn so aufwacht am Morgen (von ’sehr früh‘ bis ‚eigentlich recht spät‘), also, falls es sehr zeitig wird…

Gute Nacht!

Die erste Nacht

Verantwortung

Ver-Antwort-ung. Schönes Wort.

Als ich darauf gedrängt habe, dass wir (innerhalb der Beziehung) eine Paarberatung machen sollten, war mir das ein wichtiges Anliegen: Die Verantwortungen klären. Ich glaube, sie hat es bis heute nicht verstanden, was ich damit eigentlich meinte. Das merke ich daran, dass sie davon spricht, „sie übernehme hier 120% Verantwortung“ – da sie sich scheinbar als alleinerziehende Mutter fühlt und alles an sich reißt; ja sogar alles dafür tut, mich aus der Familie rauszuhaben. Sie hat mich im Leben meiner Tochter ausradiert!

Was tut sie aber? Sie gibt mir die Schuld am derzeitigen Zustand: Ihr geht es schlecht, da ich sie verlassen habe, sie hat es schwer, sie kommt nicht klar mit diesem und jenem, usw. Die Verantwortung (für sich) übernehmen hieße meiner Meinung nach aber: Mir geht es schlecht, ich kümmere mich darum. Du hast es ausgelöst, hier und jetzt, mit dieser Trennung, aber die Verletzung ist in mir und ich finde heraus und beschäftige mich damit, warum es das mit mir macht. Warum komme ich nicht klar? Brauche ich jemanden, der die Verantwortung über mein Leben übernimmt? War es bisher so? Habe ich es nicht anders gelernt? Vielleicht. Dann bin ich dankbar für die Erkenntnis und werde mich darum kümmern.

Verantwortung übernimmt man, Schuld weist man zu.

Das ist der Unterschied! Verantwortung ist aktiv, Schuld (zuweisen) passiv. Man ist mit Schuld beladen, hat es schwer.

„Verantwortung übernehmen“ hat sich für mich selbst als eine sehr grosse Herausforderung angefühlt. Und das fühlt es sich immer noch. Ich habe regelrecht Angst bekommen beim Gedanken daran, etwas selbst entscheiden zu müssen, allein regeln, meine Anliegen auf den Tisch legen, dahinter stehen, rauszugehen damit. Ich lerne also, auch ich habe Schwierigkeiten damit, Verantwortung zu übernehmen und verlagere das gerne auch woanders hin. Natürlich gern zu ihr: Sie versteckt unsere Tochter, sie fühlt sich als alleinerziehende Mutter und hält mich mit ihrer Macht in einer Versorgerrolle. Stattdessen möchte ich für die Kinder sorgen! Als Vater und nicht als Besuch da sein!

An der Stelle ist es immer noch nicht einfach, das für mich zu klären. Ich fühle mich doch noch als Opfer (ihrer Handlungen). Ich bemerke aber, dass immer weiter in den Vordergrund rückt: Was macht es mit mir, was ist meine Antwort darauf? Wo ist mein Handlungsspielraum?

Ich bin aus dieser Beziehung unter anderem rausgegangen, da ich meinen Handlungsspielraum (für mein Leben) nicht mehr gesehen habe. Später war ich dann überrascht, dass ich ihn immer noch nicht hatte. Er war scheinbar kleiner denn je. Aber ich habe mehr und mehr die Bedeutung des Schrittes gesehen: Nämlich den Raum dafür durch die Distanz zu schaffen (Mehr dazu in einem Beitrag zu „Grenzen„). Jetzt muss ich ihn nur nutzen! Ich habe natürlich Handlungsspielraum. Ich geniesse den vielen Freiraum, den ich plötzlich habe! Ich geniesse die (viele) Zeit, die ich plötzlich mit meinen Jungs habe. Bewusste Zeit; die habe ich mir früher nicht (in dem Maße) genommen/nehmen können. Ich kann entscheiden, planen, gestalten. Alles ist möglich. Plötzlich sehe ich es und ich bin so dankbar für alle Erfahrungen die ich gemacht habe. Der Weg scheint sehr anstrengend und fordernd zu sein, aber das zeigt mir nur, welches Ausmass der Schaden hatte, den ich nun lerne zu bearbeiten. Zu heilen.

Ich suche mein Leben! Es scheint schwer zu sein, es zu finden. Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich es nie gesucht habe. Ich meinte sicher oft, mein Leben zu leben, aber das stimmte gar nicht. Ich war einer Illusion erlegen.

Dafür kann ich niemandem die Schuld geben, sondern trage die Verantwortung selbst!

 

Verantwortung

Die Söhne

Prachtkerle, die beiden. Herrliche Menschen! Ich entdecke die Beziehung zu ihnen. Oder besser, ich entdecke den Raum und die Möglichkeit, die Beziehung zu ihnen zu gestalten. Ich habe es in der Hand!

Das fühlt sich gut an. Vor allem deshalb, weil ich es früher nicht konnte. Früher war, als wir noch eine „richtige“ Familie waren. Dann habe ich aber bemerkt, dass ich Schaden nehme. Neun Jahre lang habe ich es bemerkt, aber verdrängt. Bis ich festgestellt habe, dass ich mehr Schaden nehme, als ich aushalten kann. Oder mehr Energie verliere, als reinkommt. Wie auch immer.

Ich will gleich noch abkürzen, beziehungsweise ausholen. Die Frage ist: Warum habe ich Schaden genommen und warum habe ich dagegen nichts tun können?

Im letzten Jahr habe ich unglaublich viele Dinge gelernt. Vor allem über mich. Ich bin so dankbar dafür, diese Dinge kennengelernt zu haben. Mir ist klar geworden, dass ich es zu der Zeit, als die Familie „einhäusig“ existierte, so gut gemacht habe, wie ich konnte. Ich habe es im Prinzip immer so gut gemacht, wie ich konnte. Ich habe immer versucht, es so gut, wie möglich zu machen. Es so gut wie möglich zu machen, dass es anderen (in diesem Falle meiner Partnerin) so gut wie möglich geht. Oder zumindest, dass es so wenig Ärger wie möglich gab, oder Spannungen, oder emotionale Erpressung, oder Kälte, Schuldzuweisungen, Distanz, Abweisung, Scheiß-Stimmung. Klingt komisch, ist aber so. Und ich glaube, es ist ganz oft so. Ich habe gelernt, dass es Liebe gegen Bedingungen gibt. Natürlich habe ich das nicht von meiner Partnerin gelernt. Da war es schon in Fleisch und Blut übergegangen und hat all mein Handeln bestimmt. Schon viel früher…

Jedenfalls habe ich es so gut gemacht, wie es mir möglich war…und habe dabei ganz vergessen, für mich zu sorgen. Wie ist es denn für mich gut? Wie fühlt es sich denn für mich richtig an? Wie viel ist denn eigentlich gut für mich?

Wie ich jetzt lerne, war mir die Beantwortung dieser Fragen zu der Zeit gar nicht möglich (und auch jetzt fällt es mir noch schwer), da ich es gar nicht sehen konnte. Was für mich gut war. Oder was nicht. Und ich habe neun Jahre nicht gesehen, dass es schon lange nicht mehr gut war. Aber ich habe weiter gemacht, es weiter gut gemacht, recht gemacht, so gut wie möglich gemacht, besser gemacht.

Jetzt frage ich mich manchmal, wie ich es so lange nicht bemerken konnte. Aber das ist glaube ich gar nicht so. Ich habe es bemerkt. Aber ich habe es verdrängt und vergessen. Oder ich habe mich belogen.

Da blitzt schon die nächste Frage auf: Warum habe ich mich belogen? Warum konnte ich die Wahrheit nicht sehen? Weil ich Angst hatte. Angst vor dem, was dann kommt. Angst davor, die Verantwortung (endlich) zu übernehmen. Angst vor Veränderung. Einfach Angst.

Angst davor, Verlassen zu sein.

Ich habe verlassen, aber ich hatte Angst, verlassen zu werden. Paradox. Auch nach der Trennung habe ich oft große Verlassensangst gespürt.

Nächstes Thema, das unbedingt dazugehört: Grenzen. Die eigenen Grenzen erfahren, die eigenen Grenzen setzen und auch dazu stehen. Das scheint eine riesige Aufgabe zu sein, wie ich jetzt lerne. Es wird wahrscheinlich ein lebenslanges Lernfeld bleiben.
Die erste Grenze, die ich in meinem Leben gesetzt habe und zu der ich auch gestanden habe war, „Nein“ zu meiner Partnerin und Mutter meiner Kinder zu sagen. Aber ich denke, das wird ein anderer Beitrag…

Was hat das mit meinen Söhnen zu tun?

Sie waren mein Wegweiser! Ich habe sie kennengelernt, als ich die Entscheidung zur Trennung innerlich getroffen habe. Oder: Als ich die Unausweichlichkeit der Entscheidung erkannte. Da habe ich sie kennengelernt, wie frei sie sein können. Wie frei wir zusammen sein können. Wie viel lachen wir können und wie tief unsere Beziehung sein kann. Das habe ich kennengelernt – und ich wusste, es war nur der Ausblick auf noch mehr – als ich die Entscheidung noch nicht einmal ausgesprochen habe!

Ich habe kennengelernt, dass ich keine Angst haben muss!

Die Söhne